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Tonleitern und diatonisches System

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Definition:
Tonleitern sind eine Folge von Tönen, die von einem Grundton aus starten und den Oktavton zum Ziel haben.


Akkorde, die alle aus der selben Tonleiter mit der selben Systematik von den unterschiedlichen Tönen der Tonleiter her aufgebaut werden, bilden zusammen ein sogenanntes diatonisches oder tonales System, gehören also quasi zusammen. In diesem Kapitel betrachten wir alle möglichen Tonleitern und bauen aus diesen die unterschiedlichen Akkordtypen zusammen.

Innerhalb eines tonalen Systems verwendet man daher über alle Akkorde dieses Systems dieselbe Tonleiter. Das ist gerade für den musikalischen Einsteiger in der Regel ein Aha-Erlebnis. Es gibt in den meisten Tonleitern aber sogenannante verbotene Töne, deren Verbote sich in der Regel aus dem Kontext ergeben, dass man wichtige Töne in einer Akkordfolge nicht vorwegnehmen darf, so wie man in einem guten Krimi ncht in der ersten Minute den Täter präsentiert - Ausnahmen bestätigen die Regel. Das heißt es kommt immer auf den Kontext an, in dem die Akkorde zueinander stehen. Das schauen wir uns in späteren Kapiteln näher an.

Insgesamt gibt es theoretisch 352 mögliche verschiedene Skalen (siehe Excel-Datei hier). Unter den folgenden Voraussetzungen:
  • 1Nicht zweimal hintereinander ein Intervall von einer kleinen Sekunde
  • 2Das größte Intervall ist eine große Sekunde
  • 3Die Tonhöhe steigt mit jedem Ton an bis wir am Ende eine Oktave höher auskommen.
  • 4Jeder Ton kommt nur einmal vor
ergeben sich (nach Entfernen der Doubletten mit der selben Struktur aber unterschiedlichem Startpunkt) theoretisch die folgenden Möglichkeiten:

Bezeichnung der Tonleiter
2212221Dur
2122221Melodisch-Moll (aufsteigend)
21212121Halbton-Ganzton GTHT
222222Ganzton GT


Keine Regel ohne Ausnahme: Drei wichtige Tonleitern sind uns bei diesen Randbedingungen durch das Raster gefallen, die wir aber wegen ihrer Wichtigkeit betrachten müssen:

Die Chromatische Tonleiter, die durch die Nebenbedingung 1 herausgefallen ist:

Bezeichnung der Tonleiter
111111111111Chromatische Tonleiter


Die Harmonisch-Moll-Tonleiter, die durch die Nebenbedingung 2 herausgefallen ist:

Bezeichnung der Tonleiter
2122131Harmonisch-Moll


Die Mollpentatonik mit Blue-Note (Blues-Tonleiter), die durch Nebenbedingung 1 und 2 herausgefallen ist:

Bezeichnung der Tonleiter
321132Moll-Pentatonik mit Blue-Note (Blues-Tonleiter)


Aufbau eines diatonischen Sytems am Beispiel der Durtonleiter


Wir betrachten die siebenstufige sogenannte jonische Durtonleiter. Der Aufbau eines tonalen Systems funktioniert im Prinzip für alle Tonleitern gleich:
  • Man beginnt mit dem Grunddreiklang, d.h. dem 1., 3. und 5. Ton.
  • Dann ergänzt man die Septime, also den 7. Ton.
  • Schließlich ergänzt man 0, 1, 2 oder 3 sogenannte Optionstöne, d.h. den 2., 4., und 6.Ton.
    Zur besseren Unterscheidung denkt man sich die Tonleiter um eine Oktave verlängert und nimmt dort den 2., 4., 6. Ton, also den 9., 11. und 13.
Das heißt die klassische Harmonielehre baut auf siebenstufigen Tonleitern auf. Die Bezeichnungen der Intervalle sind Prime/Oktave, Sekunde, Terz, Quarte, Quinte, Sexte, Septime. Die Intervallnamen der über die Oktave hinausgehenden Intervalle sind: None (9), Undezime (11) und Tredezime (13).

In der folgenden Tabelle sind die Bezeichnungen aller zwöf möglichen Intervalle innerhalb einer Oktave aufgelistet:

Halbton-
schritte
+ 1
Oktave
Bezeichnung Bezeichnung (+1 Oktave) Intervall Shortcut
0 12 Prime Oktave 1
1
2
13
14
kleine Sekunde
große Sekunde
kleine None
große None
b9
9
3
4
15
16
kleine Terz
große Terz
Kleine Dezime (übermäßige None)
große Dezime
m3 oder #9
M3
5
6
17
18
Quarte
Tritonus (Überm. Quarte, verm. Quinte)
Undezime
überm. Undezime, verm. Duodezime
11 oder 4
#11 oder b5
7 19 Quinte Duodezime 5
8
9
20
21
kleine Sexte (übermäßige Quinte)
große Sexte (verm. Septime)
kleine Tredezime (überm. Duodezime)
große Tredezime
b13 oder #5
6 (13) oder b7
10
11
kleine Septime
große Septime
7
maj7

Folgende Symbolik wird zur besseren Unterscheidbarkeit verwendet:
Vorteile dieses siebenstufigen Ansatzes:
  • Man beschreibt die Akkorde über ihren Charakter, z.B gibt die Terz das Tongeschlecht Dur oder Moll an.
Nachteile:
  • Wenn eine Tonleiter z.B. eine kleine und große Terz enthält, ist die Notation nicht mehr eindeutig. Das heißt nur der Kontext entscheidet, welche Intervallbezeichnung aus obiger Tabelle man zu nehmen hat: m3 oder #9, #11 oder b5, b13 oder #5 und 13 oder b7.
  • 13 oder 6 beschreiben beide eine große Sexte, wobei meistens die 6 bei Major-Akkorden und die 13 bei Dominantseptakktorden verwendet wird.
  • Bei Tonleitern mit weniger als 7 Tönen muss man notgedrungen auf eine Funktion verzichten.
  • Bei Tonleitern mit mehr als 7 Tönen taucht logischerweise eine Funktion mehrfach auf. Man nimmt dann in der Regel die 9.
Die Nachteile scheinen zu überwiegen. Warum hält man trotzdem an dieser Systematik fest?
Gute Frage! Eine chromatische Notationstechnik mit 12 Tönen wäre sicherlich eleganter, weil man auf die bs und #s verzichten könnte. Sie hilft aber zum Beispiel nicht bei der Entscheidung, ob ein Akkord eher Dominant- oder Tonikafunktion hat. Der chromatische Ansatz führt zu einer wertneutralen Betrachtung von Musik, die wahrscheinlich dem Empfinden der meisten Menschen nicht gerecht werden würde.


Résumé

  • Unser Tonsystem besteht aus 12 Tönen. Die Zahl der damit zu spielenden Tonleitern und Akkorde ist dadurch durch die Kombinatorik begrenzt. Unter den oben genannten Nebenbedingungen 1 bis 4 und 3 Ausnahmen davon ergeben sich folgende Tonleitern:
    - Die Durtonleiter
    - Die Chromatische Tonleiter
    - Die Melodisch-Moll-Tonleiter
    - Die Harmonisch-Moll-Tonleiter
    - Die Halbton- Ganztonleiter
    - Die Ganztonleiter
    - Die Moll-Pentatonik mit Blue-Note

  • Die klassische Harmonielehre baut auf einem siebenstufigen Tonsystem mit den Intervallen Prime, Sekunde, Terz, Quarte, Quinte, Sexte und Septime auf.

  • Anhand der jonischen Durtonleiter wurde gezeigt, wie man prinzipiell ein diatonisches oder tonales System aufbaut, indem man von jedem Ton der Tonleiter aus einen Akkord aus dem 1., 3. 5. und 7. Ton bildet und ein oder mehrere Optionstöne (9., 11., 13. Ton) hinzufügt. Diese Akkorde bilden eine Einheit, sie gehören quasi zusammen.

  • Als Referenz gibt es hier die Excel-Datei zum Download.