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Kadenzen der Melodisch-Molltonleiter

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Im tonalen System der Melodisch-Molltonleiter gibt es insgesamt drei Dominantseptakkorde:
  • den V7 (MM5) auf der fünften Stufe,
  • den alterierten VII7#11 (MM7) auf der siebten Stufe und die
  • Sekundärdominante IV7#11 (MM4) auf der vierten Stufe.

Kadenz über die Dominante (MM5)

Analog zur Durkadenz bringen wir die Melodisch-Molltonleiter in die VI-II-V-I-Form:

VIm7b5
Auf der sechsten Stufe der Melodisch-Molltonleiter (MM6) ergeben der 1., 3., 5. und 7.Ton einen halbverminderten Mollseptakkord, hier ein Am7b5, oder allgemein einen VIm7b5. Die 9, hier das B, ist in der Kadenz ein verbotener Ton, da sie die Septime im I-Akkord bzw. die große Terz im V7-Akkord vorwegnehmen würde.

IIm7
Auf der zweiten Stufe der Melodisch-Molltonleiter (MM2) ergeben der 1., 3., 5. und 7.Ton einen Mollseptakkord, hier ein Dm7, oder allgemein einen IIm7. Die 13, hier das B, ist in der Kadenz ein verbotener Ton, da sie die Septime im I-Akkord bzw. die große Terz im V7-Akkord vorwegnehmen würde.

V7/9/b13
Auf der fünften Stufe der Melodisch-Molltonleiter (MM5) ergeben der 1., 3., 5. und 7.Ton einen Dominantseptakkord, hier ein G7, oder allgemein einen V7 mit den Optionstönen 9 und b13. Die große Terz und die 11 dürfen nicht gleichzeitig gespielt werden, sondern nur entweder oder, weil sie einen Abstand von einer kleinen Sekunde haben und zusammen stark dissonant klingen.

ImMaj7
Auf der ersten Stufe der Melodisch-Molltonleiter (MM1) ergeben der 1., 3., 5. und 7.Ton einen Moll-Major-Akkord, hier einen CmMaj7, oder allgemein einen ImMaj7.

bIIImaj7#5
Auf der dritten Stufe der Melodisch-Molltonleiter (MM3) ergeben - als Verlängerung der Tonika - der 1., 3., 5. und 7.Ton einen Majorakkord mit übermäßiger Quinte, hier ein Ebmaj7#5, oder allgemein einen bIIIMaj7#5.

Die über die Dominante V7 (MM5) gespielte Kadenz bleibt bis hierhin in sich geschlossen, d.h. sie verlässt den Melodisch-Moll-Tonraum nicht.

IV7#11
Auf der vierten Stufe der Melodisch-Molltonleiter (MM4) ergeben der 1., 3., 5. und 7.Ton einen alterierten Dominantseptakkord mit #11, hier ein F7#11, oder allgemein einen IV7#11 mit den Optionen 9 und 13. Diese Dominante wird allgemein als Sekundärdominante als Ersatz für die alterierte Dominante auf der siebten Stufe gesehen. Der Akkord, der der Sekundärdominante folgt, verlässt im Allgemeinen den über den 1-Akkord aufgespannten Tonraum, siehe unten.




Kadenz über die alterierte Dominante (MM7)

Bei dem aus der MM7-Tonleiter gewonnenen V7-Akkord sind alle Töne, außer dem Grundton, der Terz und Septime, alteriert: b9, #9, #11, b13. Der Akkord V7b9/#9/#11/b13 wird daher auch alterierte Dominante und MM7 die alterierte Tonleiter genannt. Die alterierte Dominante wird in einer II-V-I-Verbindung folgendermaßen nach Dur oder Moll aufgelöst:
  • IIm7b5 -> V7alt -> Imaj7 und

    Über den IIm7b5 wird lokrisch oder lokrisch9 gespielt, über den V7alt alteriert (MM7) und über den Imaj7 jonisch gespielt.

  • IIm7b5 -> V7alt -> ImMaj7

    Über den IIm7b5 wird lokrisch oder lokrisch9 gespielt, über den V7alt alteriert (MM7) und über den ImMaj7 Melodisch-Moll (MM1) gespielt.

Merke:
  • Die alterierte Dominante V7#11(/b9/#9/b13) steht immer auf der fünften Stufe. Die Skala ist MM7 (alteriert).

  • Die über die alterierte Dominante VII7#11 (MM7) gespielte Kadenz verlässt den ursprünglichen Tonraum.



Kadenz über die Sekundärdominante (MM4 - Mixo#11)

Der aus der MM4-Tonleiter gewonnene Dominantseptakkord steht im Abstand des Tritonus zum über die MM7-Tonleiter gebildeten alterierten Dominantseptakkord. Er enthält die Optionen 9, #11, 13. Laut gängiger Lehrmeinung kann die aus MM4 gewonnenne Dominante die alterierte Dominante ersetzen und wird daher Sekundärdominante genannt. Die alterierte IIm7b5 -> V7#11/b9/#9/b13 -> I-Verbindung wird zur IIm7b5 -> bII7#11/9/13 -> I-Kadenz:
  • IIm7b5 -> bII7#11 -> Imaj7 und

    Über den IIm7b5 wird lokrisch oder lokrisch9 gespielt, über den bII7#1 mixo#11 (=lydianb7) oder MM4 und über den Imaj7 jonisch gespielt.

  • IIm7b5 -> bII7#11 -> ImMaj7

    Über den IIm7b5 wird lokrisch oder lokrisch9 gespielt, über den bII7#1 mixo#11 (=lydianb7) oder MM4 und über den ImMaj7 Melodisch-Moll (MM1) gespielt.

Die über die Sekundärdominante bII7#11 (MM4) gespielte Kadenz verlässt den ursprünglichen Tonraum. Aufgrund des chromatischen Bassabgangs wird diese Kadenz auch als "chromatic approach" bezeichnet.

Merke:
  • Über die alterierte Dominante V7#11(/b9/#9/b13) auf der fünften Stufe wird immer alteriert (MM7) gespielt. Über ALLE anderen nicht auf der fünften Stufe stehenden Dominantseptakkorde mit #11(9/13), die sogenannten Sekundärdominanten, wird IMMER MM4 (auch Mixo#11 oder Lydianb7 genannt) gespielt.
  • Sekundärdominanten können auf jeder Stufe sehen, außer auf der fünften. Die häufigsten Verwendungen sind:
    - Als bII7#11 mit Auflösung zur Tonika.
    - Als bVII7#11 mit Auflösung zur Tonika.
    - Als IV7#11 nach der Tonika.
    - Als II7#11 mit anschließender II-V-I-Kadenz.


Résumé Melodisch-Moll-Kadenzen

Über den V7 (MM5) des Melodisch-Moll-Systems wurden die folgenden klassischen Mollkadenzen aufgebaut:
  • V7b13 -> ImMaj7 (Minimalform)
  • IIm7 -> V7b13 -> ImMaj7
  • VIm7b5 -> IIm7 -> V7b13 -> ImMaj7
  • VIm7b5 -> IIm7 -> V7b13 -> ImMaj7 -> bIIImaj7#5
Darüberhinaus wurden die Kadenzen über die alterierte Dominante (MM7) und die Sekundärdominante (MM4 oder Mixo#11 bzw. Lydianb7) vorgestellt.

Die Kadenzen der Melodisch-Molltonleiter über MM4 und MM7 sind in der Jazz-Musik überall anzutreffen und bilden die Grundlage der Analyse eines jeden Jazz-Standards.

Die alterierte Dominante V7#11(/b9/#9/b13) steht immer auf der fünften Stufe. Über sie wird alteriert (MM7) gespielt. Über alle anderen nicht auf der fünften Stufe stehenden Dominantseptakkorde mit #11(9/13), die sogenannten Sekundärdominanten, wird MM4 (auch Mixo#11 oder Lydianb7 genannt) gespielt. Am häufigsten treten Sekundärdominanten als bII7#11 oder bVII7#11 mit Auflösung zur Tonika auf, oder als IV7#11 nach der Tonika oder als II7#11 mit anschließender II-V-I-Kadenz.